Manchmal muss es eine Hasselblad 500CM sein

Über die Hasselblad 500CM ist eigentlich schon alles gesagt.
Die vollmechanische 6×6 Mittelformat-Kamera wurde von 1970–1994 gebaut und ist eine der Stilikonen in  analogen Fotografie.
Seit ich mich mit der analogen Fotografie beschäftige, habe ich immer wieder ein Auge auf das Modell geworfen. Nur die Preise, die heute für ein gebrauchtes Modell aufgerufen werden, schrecken doch ein wenig ab. Die Herausforderung war es, eine gepflegte und vor allem Funktionsfähige Hasselblad 500CM zu einem subjektiv ertragbaren Preis zu ergattern.

Es hat gut ein 3/4 Jahr gebraucht bis ich eine für mich passende 500CM gefunden hatte. Ein Modell aus dem Jahr 1975 in Originalverpackung. :)Der einzige Mangel, den ich erst nach den ersten Aufnahmen feststellen konnte, war eine defekte Lichtdichtung am A12 Magazin. Dieses ist oft der Fall, wenn das Magazin zu lange mit eingesetztem Schieber gelagert wird. Somit musste ich also wieder mal den Schraubendreher in die Hand nehmen.

Hasselblad 500CM
Hasselblad 500CM mit Lichteinfall durch ein defektes A12 Magazin

Der Lichteinfall auf der linken Seite ist immer ein Indiz für einen defekte Lichtdichtung bzw. Lichtfalle am A12 Magazin. Nun fragt sich der eine oder andere vielleicht: „Warum links? Das Negativ steht doch spiegelverkehrt auf dem Kopf und der Schieberschlitz ist, in Aufnahmerichtung gesehen, links. Müsste dann der Lichteinfall auf dem Negativ nicht rechts sein?“

Ich habe tatsächlich etwas länger gebraucht um die Zusammenhänge zu verstehen. Das Licht, welches durch den Schieberschlitz einfällt, fällt nicht gleich auf das Negativ sonder wird erst von der gegenüber liegenden Seite des Magazins auf den Film reflektiert. Klingt kompliziert ist aber so 🙂

Lichtdichtung kaufen

Nach der Theorie war mit klar, ich brauche eine neue Lichtdichtung!
Erste Anlaufstelle ist natürlich die Bucht. Die hier angebotenen Dichtungssets waren mir doch etwas zu teuer. Da wollen wieder einige richtig Geld verdienen. Nach einigem Suchen habe ich eine Quelle in den USA gefunden. Der Preis für eine Dichtung betrug $16.75 inkl. Versand. Jetzt verstehe ich auch die Preise in der Bucht. Einfach zwei oder mehr bestellen und die nicht benötigten Sets in für 29€ wieder verkaufen. Jetzt darf jeder selbst rechen…

Ich habe mir 2 Dichtungssets bestellt. Eine für das Hassi-Magazin und eine für  meine Kiev88, der UdSSR Kopie der Hasselblad 1000f,* die auch gern als Hasselbladski bezeichnet wird und zu der ich sicher auch noch was bloggen werde.

* Da habe ich wohl nicht richtig recherchiert. Siehe Kommentar von Marwan El-Mozayen.

Lichtdichtung A12 Magazin
Bild 1: Die plattgedrückte Dichtung des A12 Magazins

Der Bestellvorgang erscheint etwas dubios. Nix mit Shop und Warenkorb. Ein Klick und man wird sofort auf PayPal weitergeleitet. Aber ich muss sagen, es hat alles super funktioniert. Ich bekam eine eMail zur Bestätigung:
„Hi, i received your PayPal payment for 2 trap seal sets. Your order will go out in Saturday’s mail. You should have it shortly. Thank you for your purchase!“
Ich habe mich nett für die Info bedankt und war gespannt, wie lange es wohl dauern würde, bis die Dichtungen hier in Deutschland ankommen.

Nach 5 (in Worten „fünf“) Tagen waren die Dichtungen mit Einbauanleitung hier! Ich war wirklich begeistert, habe mich per eMail bedankt und gesagt, dass ich das gern weiterempfehle, was ich hiermit gern tue:
New Hasselblad trap seal (light seal) kit for the Hasselblad film magazines

Lichtdichtung im A12 Magazin ersetzten

Nun geht es an den Einbau der neuen Lichtdichtung. im Vergleich zu den Aktionen die ich bei der Reparatur meiner Rolleiflex 3.5 und Lipca Rollop machen musste, war das dann doch ein Kinderspiel. Das Ersetzen der Dichtung ist wirklich von jedem, der nicht zwei linke Hände hat, einfach durchzuführen.

Hasselblad A12 Magazin
Hasselblad A12 Magazin zerlegen

Als erstes werden die 9 Schrauben entfernen und den Deckel des Magazins abnehmen und darauf achten, dass die Hebel und Zahnräder nicht verschoben werden. Jetzt kann die, wie in Bild 1 gezeigte, plattgedrückte Dichtung entfernt werden. Es kann sein, dass diese ein wenig festgebackt ist. Ich habe dann auch gleich mit Isopropanol (braucht man irgendwie immer) und einem Q-Tipp alles ein wenig gereinigt.

Das einlegen der neuen Dichtung geht ebenfalls leicht von der Hand. Zuerst wird die Folie eingelegt (Bild 3) und dann der Teil aus Schaumstoff (Bild 4). Verkehrt machen kann man eigentlich nicht, da die Teile entsprechen vorgeschnitten sind und somit die Einbauposition ersichtlich ist.

Einzig das Aufsetzen des Deckels ist wieder ein bisschen tricky. Wie ich das gelöst habe, zeigen die folgenden Fotos.

Mit dem Schieber wird die Folie mit dem Schaumstoff in Position gebracht und fixiert. So ist gewährleistet, dass die Dichtung in der richtigen Position sitzt. Anschließend den Deckel auflegen und die Schrauben einsetzen. Fertig.

Hasselblad 500CM mit neuer Lichtdichtung

Jetzt fehlt nur noch ein Test, ob die Reparatur erfolgreich war.
Wie auf dem Foto zu sehen ist, ist jetzt alles wie es sein soll.

Aufgenommen mit Hasselblad 500 C/M auf Ilford Delta 100 Pro
Aufgenommen mit Hasselblad 500CM auf Ilford Delta 100 Pro

Das soll’s erstmal gewesen sein. Vielleicht nimmt mein Beitrag ja dem einen oder anderem die Angst, sich an die Reparatur des Magazins zu wagen. Es ist wirklich kein Hexenwerk. Empfehlenswerte Seiten rund um die Hasselblad 500 wären noch: Hasselblad Historical EU und die Seite von Stefan Heymann.

Wenn euch dieser Beitrag weitergebracht oder einfach nur gefallen hat, würde ich mich einen Kommentar sehr freuen.

5 Antworten auf „Manchmal muss es eine Hasselblad 500CM sein“

  1. Hallo, freut mich das Du eine tolle Hassi 500 gefunden hast.

    Kurze Anmerkung. Das mit dem Schieber ist korrekt wenn er zu lange drin ist wir die Dichtung schneller platt. Die Dichtungen sind aber Verschleissteile und sollten wirklich regelmäßig gewechselt werden. Profis haben das früher jährlich gemacht auch wenn keine Schieber dirn war.

    Ein 2. Punkt. Die Kiev 88 ist keine Kopie der Hasselblad 1000F. Das wird häufig so im Internet berichtet ist aber falsch. Vielmehr ist die Kiev 88 eine Weiterentwicklung der Saljut Serie die auf die Saljut 1a aus den 50iger Jahren zurückgeht. Und dieses wiederrum basiert auf der Vorgängerin der Hasselblad 1000F der Hasselblad 1600F. Das mag ein wenig „besserwisserisch“ klingen ist aber nicht so gemeint denn die 1600F und die 1000F unterscheiden sich signifikant in den technischen Details. Desweiteren wurden bei der Saljut bereits einige der Kinderkrankheiten der 1600F behoben. Darüber hinaus besitzen die Objektive der Saljut bereits eine Vorspannspringblende. Diese gab es weder bei der Hassi 1600 noch bei der 1000F. ebenso wurde ein Selbstauslöser in die 1600F intigriert. Daher kann man nicht wirklich von einer Kopie sprechen auch wenn vieles in gleicher technischer Weise gelöst wurde.

    1. Hallo Marwan,
      ich sehe das keineswegs als „besserwisserisch“ an. Wenn etwas nicht korrekt ist, sollte es angesprochen und richtiggestellt werden. Zumal ich Ihnen durchaus mehr Fachkompetenz zuspreche als mir. Ich habe die Aussage gestrichen und auf ihren Kommentar verwiesen.

  2. Ich kann den Wunsch nach einer Hassi absolut nachvollziehen. Ich bin mit diesem Wunsch sehr lange unterwegs gewesen und er ist nur deshalb nicht mehr so stark, weil mir vor 2 Jahren unerwartet eine Rollei SLX in Pflege gegben wurde. Lichtschacht und 6×6 hat einen unglaublichen Charme.

  3. hallo-ich bin neu in diesen „hassi“-foren und versuche auf diesem weg hilfe für mein „Problem“zu finden: unter vielen anderen fotogeräten befindet sich eine Hasselblad ELX,die nach jahrelangem liegen nicht mehr funktioniert-sie spannt nicht mehr trotz langen aufladens und gibt nur ein klicken beim auslösen ab. wer kann mir einen verwendbaren tipp zu diesem fehler geben-ich möchte nicht viel in die Reparatur investieren. gruss, dominus

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