über mich


Hamburger Kind der 60er Jahre und groß geworden mit der analogen Fotografie, die in unzähligen Diakästen den Dachboden füllt.
Heute unterwegs in der digitalen und analogen Fotografie, die auf unzähligen Datenträgern den Keller füllt.

Frank M. – mittelmäßiger Hobbyfotograf

Meine erste Kamera, mit der ich mich auseinandersetzt habe, war eine Voigtländer Vitoret DR. Ich habe diese damals geschenkt bekommen und musste mich somit schon früh mit Blende, ISO und Verschlusszeit beschäftigen. Das war so ganz anders als bei einer Ritsch-Ratsch-Klick. Die verwendeten Farbfilme waren die üblichen Verdächtigen von Agfa und Kodak mit 12 oder 36 Aufnahmen.

Später musste es eine Spiegelreflexkamera sein. Es wurde eine Canon AE-1 mit Blendenautomatik. Was für ein Fortschritt. Getoppt wurde es nochmal mit einer A-1. So richtig mit Powerwinder und so. Zu dieser Zeit vollzog sich auch der Übergang zum Diafilm. Agfachrome CT-18 mit 36 Aufnahmen. Das war eine günstige Alternative und Agfa hatte sein Labor für Umkehrfilm gleich um die Ecke, in Wandsbek. So stapelten sich die Dias in den Boxen und das eine oder andere Foto fand den Weg zum Papierabzug, um gerahmt an der Wand zu hängen oder um einfach mal gezeigt zu werden. Wer hasste nicht die berühmt berüchtigten Dia-Abende.

Irgendwann hatte ich dann die Idee, selbst zu entwickeln. Was lag da aus Kostengründen näher, als sich mit Schwarzweißfilmen zu beschäftigen. Illford war die Wahl der Zeit und dann ging es los. Mit Entwicklerdose und ein bisschen Chemie. Hilfe bekam ich von einem Bekannten, der eine Dunkelkammer, so richtig mit Rotlicht und Vergrößerer von Durst, auf dem Dachboden hatte. Ganz großes Kino.

Wie es oft mit Hobbys ist, es kommt die Zeit, da verliert man einfach die Lust. Also folgte eine lange Pause, bis mir irgendwann ein Bekannter eine von diesen neuen Digitalkameras in die Hand gab. Es war eine Olympus Camedia mit VGA Auflösung. Das war doch kein Fotoapparat, mit dem man vernünftige Fotos machen konnte? Das war die Zukunft? Nee, ohne mich. Ich hatte zwischenzeitlich meine in die Jahre gekommene F-1 verkauft und mir eine EOS-100 (ohneD) zugelegt. Mit Autofokus und EF-Objektiven. Das war die Zukunft. Oder auch nicht, wie sich herausstellen sollte.

Die Zukunft war die, dass ich mir eine digitale Kompaktkamera zugelegt habe. Es war eine Casio Exilim. Die kleine Casio passte in jede Tasche und machte auch ganz gute Fotos. Warum also die SLR mit sich rumschleppen? Im Laufe der Zeit wurden die Sensoren immer kleiner und die Auflösung immer besser. Schließlich machte sogar ein iPhone brauchbare Fotos. Wozu also noch die Casio? Jetzt hatte man seine Kamera immer dabei. Mehr braucht man nicht.

Ende 2014 war ich doch der Meinung, dass eine digitale Spiegelreflexkamera her muss. Die Technik war mittlerweile auf einem Niveau angekommen, dass die Preise im Rahmen lagen. So kaufte ich mir eine Canon 6D. Canon kannte ich ja aus meiner Jugend und Nikon war nie so meins. Wobei, bei dem, was ich alles gelesen habe, wäre eine Nikon eine sehr gute Alternative gewesen.

Fotos machen ist ja eine Sache. Ich weiß ja noch, was Blende, ISO und Verschlusszeit bedeutet. Was ich nicht so wirklich auf dem Schirm hatte, war der Unterschied zwischen JPEG und RAW. Ich hatte mich immer gewundert, wie einige es schaffen, ihre Fotos so knallig krass dynamisch hin zu bekommen. RAW war das Geheimnis. Also musste Lightroom her. Teiltonung, Color-Lookup, Dynamik, Sättigung, Luminanz, HDR, und – what?! Jetzt wusste ich, worum es geht, und sah die vielen Fotos im Netz, von denen ich echt beeindruckt war, mit anderen Augen. Die Motive wurden eingefangen wie früher, nur dass heute die meisten ihre Fotos in der digitalen Dunkelkammer, mit dem, was die Technik hergibt, entwickeln.

Mir stellt sich immer die Frage, ist das alles noch echt oder nur noch Photoshop? Oft kommen mir da Zweifel. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr gilt für mich: Traue keinem Foto.

Besonders aufgefallen ist mir dies bei der Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg. Ich stand da mit sehr vielen Hobbyfotografen, die wie ich auf den Beginn der Lichtshow warteten. Manchmal ist Fotografieren wie Angeln. Es wird das Equipment aufgebaut und dann wird gewartet. Gewartet auf den richtigen Moment, den Auslöser zu betätigen, um das perfekte Foto zu schießen oder eben den dicksten Fisch zu fangen.

Wie das beim Rumstehen und Warten so ist, man kommt ins Gespräch über Kameras, Objektive und Technik und ist plötzlich voll dabei. Nikon, Canon, Sony, Olympus. APSC, Micro Four Thirds oder Vollformat? Viele Meinungen und Argumente für oder gegen das eine oder andere. Habe mir sagen lassen, der Kauf einer richtigen Angel soll auch nicht so einfach sein.

Fotografen am Eröffnungstag der Elbphilharmonie

Mittlerweile war eine gute Stunde vergangen und ein für Hamburg typischer Regenschauer war über uns hinweg gezogen. So wirklich hatte noch keiner ein Foto gemacht, denn letztendlich warteten wir alle auf die Lichtershow oder wie es offiziell hieß, die Illumination der Elbphilharmonie, die für 20 Uhr angesetzt war. Nur für’s Protokoll, die Plätze in der ersten Reihe waren bereits ab 18 Uhr vergeben. Somit hatten wir alle viel Zeit, um weiter zu fachsimpeln. Lightroom, Capture One, Darktable, Photoshop und natürlich RAW. Viele verschiedene Ansätze auf der Suche nach dem heiligen Graal der Fotografie.

Etwas verwundert war ich dann doch über einen Fotografen, der sich dahingehend äußerte, dass man das alles nicht braucht. Er fotografiere in JPG out of cam und würde nur in den seltensten Fällen nachträglich noch Hand anlegen. Seine 5DMIII wäre durchaus in der Lage, gute Fotos zu machen. Schließlich ginge es doch um Fotografie und nicht um post processing. Es ginge beim Fotografieren darum, eine Szenerie, so wie sie ist, festzuhalten und nicht darum nachträglich mit Software ein Kunstwerk zu erschaffen. Ich musste zwangsläufig wieder ans Angeln denken und die Diskussion über die richtige Zubereitung des Fangs.

Endlich war es soweit. Die Illumination begann und die Kameras klickten. Keine Zeit mehr darüber nachzudenken. Kleine Blende, große Blende, Langzeitbelichtung, Belichtungsreihe und ISO-Geschraube. Alles ausnutzen, was die Technik hergibt. Wird schon das eine oder andere brauchbare Foto dabei sein. Mittlerweile war es 22 Uhr, ich völlig durchnässt und durchgefroren. Hamburg im Januar. Die Fotos waren im Kasten und so verabschiedete ich mich von den ganz Harten, die noch bis zum Ende durchhalten wollten.

Am darauf folgenden Tag sichtete ich meine Ausbeute und jagte alle Fotos durch Lightroom. Was für eine Arbeit. Hunderte Fotos von der selben Location und am Ende bleiben 3 bis 5 gute über. Hatte sich gelohnt, vier Stunden im Regen die Beine in den Bauch zu stehen. Elbphi Eröffnung ist nur einmal, ich war dabei und das kommt nicht wieder.

Mal sehen, was in den bekannten Fotoportalen im Netz so an Fotos vom gestrigen Tag zu finden ist. Je mehr Fotos ich sah, desto nachdenklicher wurde ich. Viele tolle Fotos. Mit Wolkenzeichnung im dunkelblauem Abendhimmel, Spiegelungen der Elbphilharmonie in der Elbe und Laserstrahlen im Himmel, wie man sie eigentlich nur aus der vernebelten Diskothek kennt.  Ich erkannte, dass viele Fotos von der annähernd gleichen Position wie meine gemacht wurden aber so gar nichts mit meinen zu tun hatten. Hatte nur ich den wolkenverhangen Himmel und wieso sehe ich auf meinen Fotos keine Spiegelung der Elbphi im Wasser? Zwangsläufig musste ich an die Worte des out of cam Fotografen denken. Post Processing – Kunst.

Um es klar zu sagen, ich finde viele dieser Fotos richtig gut und die haben auch von mir ein Like verdient und bekommen. Es sind einfach klasse Arbeiten. Respekt!

Ich bin jedoch  kein Photoshop-Künstler und mein Kunstverständnis geht gegen Null. Vor diesem Hintergrund habe ich mich entschlossen, das Photoshop-Spiel nicht mitzuspielen. Okay, kleine Korrekturen in LR sind erlaubt aber eigentlich möchte ich Fotos machen, die zeigen wie es war und nicht, wie es in meiner Phantasie ausgesehen haben könnte. Um aber beim Betrachter meiner Fotos die Phantasie aufrecht zu erhalten, habe ich mich entschieden auch die Farbe aus dem Spiel zu nehmen. Schwarzweiß-Fotografie kann auch ihren Charme haben und ist auch irgendwie eine Art von Kunst. So ist die Idee von FarblosFoto entstanden.
Der Angler würde jetzt wohl sagen – Die Kunst des Räucherns.