Lipca Rollop Automatic – Verklebter Verschluss

Alte Kameras haben so ihr Eigenleben und wenn man sich nicht ständig um sie kümmert und  bespaßt, machen sie auf beleidigt und stellen ihren Dienst ein. Meine Lipca Rollop Automatic ist so eine Diva, die sich vernachlässigt fühlte und nach längerer Zeit einfach nicht mehr auslösen wollte. Vielleicht kam die TLR einfach nicht damit klar, dass meine reparierte Rolleiflex 3.5 des Öfteren den Vorzug bekam. Diva eben.

Nach erfolgreicher Reparatur der Rolleiflex stellte sich mir gar nicht erst die Frage: „Was nun?“ Es stand sofort fest, ich baue die Kamera auseinander und schaue mal, was sich machen lässt. Im Netz habe ich, im Gegensatz zur Rolleiflex, nichts gefunden. So war ich diesmal auf mich allein gestellt und wusste nicht, was mich erwartet und ob ich am Ende Erfolg haben würde.

Los geht’s – Kamera zerlegen

Das die Objektive nur geschraubt sein können, liegt eigentlich auf der Hand. Anders als bei der Rolleiflex, springt einem die Erkenntnis förmlich ins Auge. Mit mittlerem Kraftaufwand ließen sich die beiden Optiken lösen und herausdrehen. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten des weiteren Vorgehens. Entweder es werden die 3 Schrauben der Abdeckung ( die mit den Blendenzahlen) entfernt und diese wird dann ein bisschen trickreich abgenommen oder man entfernt als nächstes den Haltering, der die Einstellscheibe der Verschlusszeit festhält. Ich habe auch erst den Haltering  und die Einstellscheiben abgebaut. Auf dem Foto sieht es jedoch so aus, als wäre die Abdeckung zuerst abgebaut worden. Das liegt daran, dass ich die Fotos erst beim Zusammenbau gemacht habe. Mein Tip: Erst die Einstellscheiben abbauen.

Anders als bei der Rolleiflex 3.5, wo es extrem wichtig ist, dass Verschlusszeit und Blende auf eine bestimmte Position (1/500s und f22) gestellt werden müssen, da sonst der Anbau des Deckels schwierig wird, ist es bei der Lipca  Rollop Automatic zu vernachlässigen. Dies liegt daran, dass bei diesem Modell die Verschlusszeit und Blende direkt an der Mechanik eingestellt werden und nicht über den Gehäusedeckel. Es gibt beim Zusammenbau jedoch zwei Pins auf die man achten muss. Darauf komme ich dann später zurück.

Lipca Rollop
Bild 1 – Entfernen der Einstellscheiben

Um an die Mechanik zu kommen, muss nun der Feststellring gelöst werden. Dieser wird durch eine kleine Schraube fixiert. Schaut man genau hin, sieht man, dass der Schraubenkopf an einer Seite ein bisschen abgeflacht ist. Anfangs dachte ich der Schraubenkopf wäre schon ab genudelt doch das gehört so. Die Schraube braucht nur so weit gedreht werden, bis die abgeflachte Seite die Kerbe vom Haltering freigibt (Bild 1) . Jetzt kann der Haltering abgedreht werden. Ist das geschafft, kann nun der Ring mit dem Prontor-SVS Schriftzug und die Einstellscheibe für die Verschlusszeiten abgenommen werden. Bild 2 zeigt wie eine Einstellscheibe nach der anderen entfernt wird, bis die eigentliche Mechanik freigelegt ist.

Lipca Rollop Automatic
Bild 2 – Alle Einstellscheiben entfernen

Jetzt kann die Abdeckung, sofern noch nicht geschehen, durch das Entfernen der drei Schrauben, abgebaut werden. Dies ist jedoch kein muss.

Reinigen der Kamera

Nachdem ich mir das Innenleben ein wenig angeschaut hatte, kam ich zu dem Schluss, dass ein weiteres Zerlegen schwierig werden würde. Anders als bei der Rolleiflex 3.5 lässt sich die Mechanik, die für die Verschlusszeiten zuständig ist, nicht als einzelnes Getriebemodul ausbauen. Von Vorteil bei der Lipca Rollop Automatic ist, sie lässt sich auch ohne die Entfernten Anbauteile spannen und auslösen, so dass man ganz gut sehen kann was passiert. Die Mechanik für die Zeitensteuerung ist der Block im oberen Drittel. Diese gilt es nun zu reinigen bzw. fettfrei zu bekommen. Das gleiche gilt, wenn man schon mal dabei ist, auch für die Verschlusslamellen.

Ich habe lange überlegt, wie ich das am besten handhaben sollte. Ich entschied mich zuerst für einen, in Isopropanol getauchten Pinsel. Hatte ich bei der Rolleiflex 3.5 noch Azeton genommen, war mir das hier dann doch zu heikel. Nach ein paar Runden über die gesamte Mechanik war der Reinigungserfolg eher bescheiden. Es glänzte zwar hier und dort aber so richtig sauber war das alles nicht. Zumal nun auch noch ein paar Pinselhaare hier und da zu finden waren. Plan B musste her!

Reinigen der Kamera – Plan B

„Was spricht eigentlich dagegen, dass ganze einfach durch zu spülen?“
Ich überlegte was passieren könnte und wie ich es am besten realisieren könnte ohne die Kamera zu ertränken. ich entschied mich für eine recht einfache Vorgehensweise. Der Plan B war geboren.

Ich zog eine Spritze mit Isopropanol (99,9%) auf und hielt die Kamera Kopfüber über eine Auffangschale. Feuer frei! Nach dem ersten Versuch schaute ich von hinten in die Kamera, um zu sehen, wie nass es im Inneren ist. Es sah alles gut aus. So wiederholte ich den Vorgang ein paar Mal und weil es so viel Spaß machte, spülte ich gleich alles was nach Mechanik aussah. In der Auffangschale war dann auch nicht wenig Dreck zu sehen. Keine Frage, natürlich verteilte sich das Isopropanol auch auf die Verschlusslamellen, den dahinter liegenden Blendenlamellen. Während des Spülvorgangs habe ich immer wieder gespannt und ausgelöst damit das Isopropanol überall hin kommt. Was soll ich sagen, nach ein paar Spülungen schnurrte das Verschlusszeitengetriebe wieder wie ein Kätzchen.

Reinigung Lipca Rollop
Spülen mit Isopropanol (99,9%)

Lässt man den Finger auf dem Auslöser bleibt der Verschluss offen. Das habe ich dazu genutzt um mit einem Microfasertuch das Glas und die Blenden- und Verschlusslamellen zu säubern. 99,9 prozentiges Isopropanol enthält bekanntlich kein Wasser und ist flüchtig. Trotzdem habe ich nach dem Reinigen noch einen Fön bemüht, um ganz sicher zu gehen, dass alles trocken ist. Voilà – Das Ergebnis.

Der Zusammenbau

Nachdem alles trocken uns sauber ist, kann die Kamera wieder zusammengebaut werden. Die Einzelteile sind überschaubar und sollten eigentlich keine Probleme machen. Einzig die gefräste Zeiten-Einstellscheibe  bedarf ein wenig Aufmerksamkeit, damit diese richtig sitzt.

Lipca Rollop Automatic
Bild 6

Auf Bild 6 habe ich die wichtigsten Punkte gekennzeichnet, auf die man beim Zusammenbau achten muss. Auf zwei Uhr befindet sich das Zahnrad, welches für die sogenannte „Automatic“ steht. Die Automatik macht eigentlich nichts anderes als die Blende und die Verschlusszeit mechanisch zu koppeln. Mit dem kleinen Hebel kann das Zahnrad gesengt bzw. angehoben werden. In gesenktem Zustand ist die Automatic aus und das Zahnrad greift nicht in den Zahnkranz der Einstellscheibe. So hat man mehr Freiheit die Scheibe hin und her zu drehen, bis alles passt.

Die beiden Pins in elf Uhr Position finden ihre Bestimmung beim Auflegen der Scheibe relativ schnell. Ansonsten mit einem kleinen Schraubendreher oder einem Zahnstocher ein wenig nachhelfen. Auf sieben Uhr befindet sich eine Wippe, an derem rechten Ende ebenfalls ein Pin ist. Ist die Einstellscheibe soweit aufgelegt, dass die elf Uhr Pins passen, ist der sieben Uhr Pin fast nicht zu sehen. Hier bedarf es ein wenig Kraftaufwand um den Pin in Position zu bringen, damit er einrastet. Die Wippe steht nun unter Spannung und hat lediglich die Aufgabe beim drehen der Einstellscheibe, die ja für die Verschlusszeiten zuständig ist, spürbar einzurasten. Wenn alles gut sitzt, kann nun der Ring mit den aufgedruckten Verschlusszeiten aufgelegt und alle Verschlusszeiten durchgetestet werden.

Wenn alles funktioniert

Funktioniert alles soweit, gibt es für das weitere Vorgehen zwei Möglichkeiten. Die Erste wäre, die Scheiben alle wieder abzunehmen und die Abdeckung mit den Blendenzahlen aufzulegen oder zweitens den Ring mit dem Prontor-SVS Schriftzug weiter zu machen und diesen dann mit dem Feststellring (Bild 1) zu befestigen. Nicht vergessen die kleine Schraube als Arretierung zu verdrehen.  Hat man sich für die letzte Variante entschieden, muss man jetzt die Abdeckung mit ein bisschen Geschick und Vorsicht über die ganzen Scheiben fummeln, da der Durchmesser der Einstellscheibe etwas größer ist als der von der Abdeckung. Wer die Arbeit nicht scheut, sollte sich also besser für die erste Variante entscheiden.

Fehlen nur noch die Objektive. Alle Gläser nochmal mit einem Microfasertuch reinigen und dann einfach aufschrauben und handwarm festdrehen. Sollte beim Abschrauben des Sucherobjektivs die eine oder andere Unterlegscheibe dabei gewesen sein, sind diese natürlich jetzt auch zu berücksichtigen. Als letztes noch die Abdeckung mit den drei Schrauben befestigen und FERTIG.

Lipca Rollop Automatic

Ich hoffe ich konnte dem einen oder anderen mit diesem Beitrag helfen, die eigene Lipca Rollop Automatic wieder zum Leben zu erwecken. Wenn ja oder auch nicht würde ich mich über Kommentare oder ein FB Share sehr freuen.
In diesem Sinne – „Möge der Verschluss mit dir sein! 🙂

Hier meine Fotos, die ich bisher mit der Lipca gemacht habe.

7 Antworten auf „Lipca Rollop Automatic – Verklebter Verschluss“

  1. Hallo,
    erst mal toll, dass ich jemand gefunden habe, der eine Rollop automatic auseinander genommen hat. Ich hab mir gerade auch so ein Teil zugelegt und der Verschluss/die Mechanik klebt auch. Mit der o.a. Anleitung könnte ich das Problem angehen, aber ich habe noch eine schmutzige Linse hinter den Verschlusslamellen. Wie baue ich die am Besten schafdlos aus?

    VG
    Martin

    1. Hallo Martin,

      erst ein mal vielen Dank für die netten Worte.
      Die Linse hinter den Lamellen habe ich ohne Ausbau reinigen können. Sofern das vordere Objektiv noch nicht wieder aufgeschraubt ist, einfach die Blende auf 2.8 stellen, die Verschlusszeit auf B und den Auslöser gedrückt halten. So bleibt der Verschluss offen und durch die Blende 2.8 sind die Blendenlamellen auch voll geöffnet, so dass man gut an das Glas ran kommt. Ich hoffe ich konnte weiterhelfen.

      Gruß
      Frank

  2. Hallo Frank,
    das mit der Offenblende habe ich schon probiert. Die Linse ist aber im Inneren teilweise blind. Die muss wohl raus. Das sieht aber nach Spezialwerkzeug aus. Habe wohl ein nicht so gutes Exemplar erwischt.

    VG
    Martin

    1. Hallo,
      das klingt nicht gut, zumal ich glaube, dass es sich bei der Linse auch nur um ein Glas handelt. Du könntest versuchen die Linse von hinten raus zu drehen. Als Spezialwerkzeug müsste ein Messzirkel reichen.
      Gruß
      Frank

  3. Hallo Frank,
    könntest Du mir evtl. ein Detailfoto der geöffneten Rollop schicken. Bei meiner Kamera ist da ein Gehäusering (vor der Innenlinse) lose. Ich kann nicht erkennen, ob der zur Linse hin oder zur Gehäuserückwand hin befestigt sein muss. Des Weiteren wäre es sehr nett, wenn Du mir ein Frontalfoto Deiner Rollop schicken könntest, wo gleichzeitig ein Lineal als Maßstab parallel zum Rollop-Logo mit drauf ist. Das fehlt bei meiner Kamera nämlich. Evtl. kann ich mir dann eine Nachbildung lasern lassen.
    Mit der Innenlinse halte ich Dich auf dem Laufenden. Es handelt sich wohl um eine 2-teilige, verkittete Linse. Die kann ein Profi angeblich mit Aceton trennen und wieder mit Kanadabalsam verkitten.

    VG
    Martin

    1. Hallo Martin,
      da steckst du aber viel Arbeit in die Kamera.
      Das mit dem losen Ring in der Innenseite hatte mich auch erst gewundert. Der ist nach dem Zusammenbau bei mir aber wieder fest.
      Die Fotos sende ich dir per eMail.
      VG
      Frank

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