über mich

über mich

Meine erste Kamera, mit der ich mich auseinandersetzt habe, war eine Voigtländer Vitoret DR – Baujahr 1967-1970. Zugegeben, die Sucherkamera war älter als ich, aber klein war ich schon noch. Ich habe diese damals geschenkt bekommen und musste mich somit schon früh mit Blende, ISO und Verschlusszeit beschäftigen. Das war so ganz anders als bei einer Ritsch-Ratsch-Klick. Die verwendeten Farbfilme waren die üblichen Verdächtigen von Agfa und Kodak mit 12 oder 36 Aufnahmen.

Später musste es eine Spiegelreflexkamera sein. Es wurde eine Canon AE-1 mit Blendenautomatik. Was für ein Fortschritt. Getoppt wurde es nochmal mit einer A-1. So richtig mit Powerwinder und so. Zu dieser Zeit vollzog sich auch der Übergang zum Diafilm. Agfachrome CT-18 mit 36 Aufnahmen. Das war eine günstige Alternative und Agfa hatte sein Labor für Umkehrfilm gleich um die Ecke, in Wandsbek. So stapelten sich die Dias in den Boxen und das eine oder andere Foto fand den Weg zum Papierabzug, um gerahmt an der Wand zu hängen oder um einfach mal gezeigt zu werden. Wer hasste nicht die berühmt berüchtigten Dia-Abende.

Irgendwann hatte ich dann die Idee, selbst zu entwickeln. Was lag da aus Kostengründen näher, als sich mit Schwarzweißfilmen zu beschäftigen. Illford war die Wahl der Zeit und dann ging es los. Mit Entwicklerdose und ein bisschen Chemie. Hilfe bekam ich von einem Bekannten, der eine Dunkelkammer, so richtig mit Rotlicht und Vergrößerer von Durst, auf dem Dachboden hatte. Ganz großes Kino.

Wie es oft mit Hobbys ist, es kommt die Zeit, da verliert man einfach die Lust. Also folgte eine lange Pause, bis mir irgendwann ein Bekannter eine von diesen neuen Digitalkameras in die Hand gab. Es war eine Olympus Camedia mit VGA Auflösung. Das war doch kein Fotoapparat, mit dem man vernünftige Fotos machen konnte? Das war die Zukunft? Nee, ohne mich. Ich hatte zwischenzeitlich meine in die Jahre gekommene F-1 verkauft und mir eine EOS-100 (ohneD) zugelegt. Mit Autofokus und EF-Objektiven. Das war die Zukunft. Oder auch nicht, wie sich herausstellen sollte.

Die Zukunft war die, dass ich mir eine digitale Kompaktkamera zugelegt habe. Es war eine Casio Exilim. Die kleine Casio passte in jede Tasche und machte auch ganz gute Fotos. Warum also die SLR mit sich rumschleppen? Im Laufe der Zeit wurden die Sensoren immer kleiner und die Auflösung immer besser. Schließlich machte sogar ein iPhone brauchbare Fotos. Wozu also noch die Casio? Jetzt hatte man seine Kamera immer dabei. Mehr braucht man nicht.

Ende 2014 war ich doch der Meinung, dass eine digitale Spiegelreflexkamera her muss. Die Technik war mittlerweile auf einem Niveau angekommen, dass die Preise im Rahmen lagen. So kaufte ich mir eine Canon 6D. Canon kannte ich ja aus meiner Jugend und Nikon war nie so meins. Wobei, bei dem, was ich alles gelesen habe, wäre eine Nikon eine sehr gute Alternative gewesen.

Fotos machen ist ja eine Sache. Ich weiß ja noch, was Blende, ISO und Verschlusszeit bedeutet. Was ich nicht so wirklich auf dem Schirm hatte, war der Unterschied zwischen JPEG und RAW. Ich hatte mich immer gewundert, wie einige es schaffen, ihre Fotos so knallig krass dynamisch hin zu bekommen. RAW war das Geheimnis. Also musste Lightroom her. Teiltonung, Color-Lookup, Dynamik, Sättigung, Luminanz, HDR, und – what?! Jetzt wusste ich, worum es geht, und sah die vielen Fotos im Netz, von denen ich echt beeindruckt war, mit anderen Augen. Die Motive wurden eingefangen wie früher, nur dass heute die meisten ihre Fotos in der digitalen Dunkelkammer, mit dem, was die Technik hergibt, entwickeln.

Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr entfremdeten sich die Fotos von mir. Sonnenuntergänge mit knallig blauem Himmel, der zu einem orangeroten Horizont wird, und mit Wasser im Vordergrund, welches man so noch nie gesehen hat. Oder Nachtaufnahmen, die nichts mehr mit blauer Stunde zu tun haben, weil die Fotos aus endlosen Belichtungsreihen zusammengesetzt wurden. Keine Frage, das sind im Auge des Betrachters ganz tolle Fotos. Gute Motive und klasse in Szene gesetzt. Für mein Gefühl ist das aber too much. Ich hatte nie ein ausgeprägtes Kunstverständnis.

So habe ich wieder den Entschluss gefasst, die Schwarzweißfotografie in den Vordergrund zu stellen.